BEWUSSTE SPRACHE – GELINGENDER WANDEL

Bei meinen kulturellen Entdeckungen im Unternehmen höre ich vielfältigen Sprachgebrauch. Und dies äußerst sich sehr unterschiedlich. Wende ich mich zu Nils G. höre ich: „Ich werde dies dann aber entscheiden.“ – Irgendwie hört sich dies nach Macht an! Dann schaue ich nach links zu Susanne W., sie äußert sich als „Perfektionistin“ zu ihrem Kollegen. „Bei diesem Projekt musst Du noch einmal genauer hinschauen.“ Und wenn ich mich dann noch einmal umschaue und an Lukas
M. wende, höre ich, wie er seine Mitarbeiterin auffordert: „Vielleicht kannst Du dies noch schnell erledigen.“ – Der Macher drängt.
Alle nutzen eine Sprache und doch steckt so viel Unterschiedlichkeit dahinter.

UNSERE WORTWAHL IST MIT UNSEREN DENKMUSTERN VERBUNDEN

Die individuelle Sprache eines Menschen und das, was er im Leben erlebt hat und erlebt, haben meistens direkt miteinander zu tun. Der Schlüssel einer gelingenden Beziehung, eines gelingenden Austausches, eines erfolgreichen Wandels sind eben nicht nur die Themen, von denen Menschen sprechen, sondern vor allem die Sprache selbst.

Wir alle sind mit der Sprache unserer Eltern, unserer Lehrer und unseres sozialen Umfeldes groß geworden. Sie hat uns und unsere eigene Sprache geprägt. Wir sprechen diese Sprache oft auch heute noch, obwohl wir uns weiterentwickelt haben.

Mit unserer gewohnten Sprachweise halten wir oftmals unbewusst alte Denkmuster und damit auch alte Verhaltensweisen aufrecht. Sie zeigen sich in der Sprache zum Beispiel durch die Verwendung eines komplizierten Satzbaues, durch wenig Klarheit in unseren Aussagen oder auch durch bestimmte Wortwahl, wie z.B. „müssen“, „aber“, „schneller“, „vielleicht“ und vieles mehr. Wer in sich hineinhorcht entdeckt da sicherlich einiges. Ich bin zum Beispiel eine gut sozial trainierte „Müsserin“, und durfte erkennen, dass dies oft gar nicht erforderlich ist.

WANDEL IST SPRACHE

Unsere Denkmuster sind nicht nur die Grundlage unserer Haltung und unseres Verhaltens, sondern auch unserer Sprache. Und durch die Verwendung der Sprache werden sie für uns und andere sichtbar. Daher lohnt es sich, sich mit der Kombination von Denkmustern und der Verwendung von Sprache auseinanderzusetzen, da sie gerade in Zeiten des Wandels Positives
oder Negatives bewirken. Es gibt Denkmuster, die uns frei und kraftvoll machen. Mit ihnen sind wir aufgeschlossen, eigenständig, lösungsorientiert und gehen zielgerichtet unseren Weg. Dies äußert sich auch in unserer Sprache.

Es gibt daneben auch einengende Denkmuster. Mit ihnen können wir es uns selbst, aber auch unseren Umfeldern unnötig schwer machen. Es lohnt sich also, sich gerade mit Letzterem im Kontext der eigenen Sprache und der im Unternehmen anzuschiebenden Gestaltung des Wandels auseinanderzusetzen. Denn Wandel ist vor allem Kommunikation und damit Sprache.

VIER EINENGENDE DENKMUSTER UNSERER SPRACHE

Sehr anschaulich beschreibt die Sprachwissenschaftlerin Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf vier einengende Denkmuster im persönlichen Sprachgebrauch.

Als erste Kategorie benennt sie, das Fremdbestimmt-Sein. Wer so denkt, fühlt sich den Umständen ausgeliefert und abhängig von Chancen, welche andere ihm gewähren oder nicht gewähren. Auf der sprachlichen Ebene zeigt sich dieses Denkmuster beispielsweise in dem gewohnheitsmäßigen Gebrauch von „müssen“. Sollte es gelingen dieses Denkmuster des Opfer-
Seins schrittweise hinter sich zu lassen, so entwickelt man mehr Eigenverantwortung und Handlungskraft.

Das zweite einengende Denkmuster, welches Mechthild von Scheurl-Defersdorf beschreibt, ist das Denken und Sprechen in der falschen Richtung. Viele Menschen wissen eher, was sie nicht wollen, als dass sie eine klare Vorstellung von ihren Zielen haben. Diese Grundhaltung im Leben zeigt sich sprachlich in einem häufigen Gebrauch von Verneinungen. Ein typischer Satz könnte
sein: „Ich will nicht der Letzte sein.“ Ganz anders klingt dieser Satz ohne die Verneinung „Ich will pünktlich vor Ort sein.“ Eine bejahende Sprache fördert zielorientiertes Denken.

Das dritte einengende Denkmuster ist das problemorientierte Denken und Sprechen. Menschen mit einer solchen inneren Grundhaltung sind meist ängstliche Menschen, Bedenkenträger und immer Besorgte, sie benutzen das Wort „Problem“ sehr häufig. Auch dann, wenn es gar kein Problem gibt. Dann hören wir: „Das ist kein Problem!“. Das Wort „Problem“ gehört zu ihrem
Grundwortschatz. Das Gegenteil dieser Haltung ist eine lösungsorientierte Sichtweise. Mit Ihr werden Lösungen leicht.

Viertens gibt es das Denken im Kreis, es wird auch als geometrisches Denken bezeichnet. Es ist die Linie, die den Kreis berührt, aber nie den Kern trifft. Menschen mit diesem Denkmuster wollen sich nicht festlegen. Sie bleiben meist vage und ungenau. Auf der sprachlichen Ebene finden wir als Entsprechung zahlreiche Füllwörter. Wie „eigentlich“, „könnte“, „vielleicht“ oder „sollte“. Damit verwässern sie ihre Aussagen und machen es sich und anderen schwer, Ziele zu erreichen. Das Gegenteil davon ist eine klare Sprache und Klarheit in allen Aussagen und Vorhaben.

EIN NEUES BEWUSSTSEIN FÜR UNSEREN SPRACHGEBRAUCH

Die Sprache hat eine grundlegende Bedeutung in der unternehmerischen Beziehungsgestaltung und damit auch für den Erfolg eines gelingenden Wandels. Die Änderungen unserer gewohnten Sprachweise eröffnet neue Blickwinkel, ein erweitertes Miteinander und ermöglicht neue Handlungsweisen. Wenn wir mehr auf unsere unternehmerische und beziehungsgestalterische Sprachweise achten, wird es auf einmal möglich, Ziele zu erreichen, die vorher unerreichbar
schienen.

Eine klare und wertschätzende Sprache muss uns bewusst sein und von uns im täglichen Gebrauch entwickelt werden, wenn wir mehr Gestaltung, Verantwortung und Miteinander im Unternehmen erleben wollen. Natürlich ist es ideal, wenn Gemeinschaften, Führungskreise und Teams in Unternehmen auf ihre Sprache achten. Doch ein Anfang wäre es auch, wenn nur wir, die ein besonderes Interesse und Bewusstsein dafür haben, damit anfangen.

IHRE LISTE NEUER WÖRTER

Starten wir damit, zunehmend Freude daran finden, Wörter und deren Wirkungen zu entdecken. Ein erster Schritt könnte sein eine Reihe (Liste) an wohlwollend, neugierigen und wertschätzenden Wörtern in die eigene Sprache aufzunehmen. Dabei wird Ihre Liste sehr individuell sein und sollte sich danach richten, was Sie als wertschätzend, positiv oder anregend finden. Erlauben Sie sich dafür ein wenig Zeit zu nehmen.

Ich habe mir vor zwei Jahren eine Liste zwanzig solcher für mich wichtigen Worte aufgeschrieben und probiere es aus, sie in den Alltag zu integrieren. Dabei fallen mir spontan drei Wörter ein, welche zu einem festen Bestandteil meines Wortschatzes bei der Arbeit mit Gruppen geworden sind.

„Einladen“ – „Darf ich Euch wieder hier in die Gruppe mit einladen?“ Ich finde es persönlich viel aufmunternder, leichter und wertschätzender, wenn ich Gruppen nach einer individuellen Arbeit, wieder in eine große Gruppe „einladen“ darf, statt: „Kommen wir wieder zusammen.“

„Gelingen“ – Für mich ein viel ehrlicheres Wort als Zielerreichung. An den meisten Ergebnissen im Unternehmen sind Menschen beteiligt, welche einen guten Beitrag durch eine wirkungsvolle Beziehungsgestaltung zum Gelingen des Ziels beitragen können. Beziehungsgestaltung kann ich nur schwer unter eine Zielerreichung stellen, aber ich kann dafür sorgen, dass die Dinge im
positiven Sinne gelingen.

Und das Wort „wundervoll“ – damit äußere ich oft meine ehrliche Begeisterung für gelungene Situationen und tolle Ergebnisse.

Ich möchte Sie nun ermuntern, Ihren persönlichen Wortschatz mit einem bewussteren Blickwinkel neu zu entdecken, mit wohlwollend kritischer Aufmerksamkeit wahrzunehmen und ihn, um neue positive Wortmöglichkeiten zu erweitern. Kreieren Sie Ihre neue wandelfördernde Sprachkultur!

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