Absicht – „Hallo Vera, wie schön, dass wir uns zu unserer Content-Ausrichtung abstimmen können.“

Ich freue mich wirklich, da wir den jetzt vor uns liegenden Termin schon vor drei Wochen abgebstimmt haben.

Bei der Begrüßung nickt Vera und summt durch ihre Lippen eine dünne Bestätigung meiner Worte. Ich bemerke, dass ihre Gedanken noch nicht hier in unserem Gespräch sind. Kurz frage ich sie, ob sie noch etwas Zeit benötigt, um sich zu sammeln.

Sie antwortet: „Nein, nein, wir können loslegen.“

Das Gespräch an sich verläuft mäßig, zäh und wenig erfolgreich. Ich ärgere mich, da dies ein so wichtiger Termin für mich gewesen ist. Es ist uns aber nicht gelungen, eine wirklich erfolgreiche Kommunikation zu realisieren.

Das, was uns hier passiert ist, kennst du sicherlich vielfach bei dir selbst oder bei anderen. Vera war gedanklich kaum anwesend und ich hatte keine ausreichende Absicht.

Wir könnten fast sagen, dass wir unser Leben einfach so an uns vorbeiziehen lassen und oftmals nicht die notwendige Aufmerksamkeit und Fokus hineinlegen.

Dadurch sind viele Gespräche, Austausche, aber auch Meetings nicht erfolgreich, zumindest nicht so erfolgreich, wie sie eigentlich sein könnten. Zwei Dinge fallen mir besonders auf:

Wir sind nur mit dem Körper anwesend!

Aber wo wandert unser Geist, unser Bewusstsein umher? Vielfach machen wir uns im Laufe des Tages keine Gedanken, ob wir jetzt wirklich hier bei der Aufgabe, bei dem Gespräch, bei dem Meeting sind.

Häufig übernehmen unsere Gedanken die Steuerung, ohne dass wir Einfluss nehmen.

Somit kommt es dazu, dass wir in einem geplanten Meeting landen oder in einem wichtigen Gespräch aber eigentlich gar nicht anwesend sind.

Unser Körper ist anwesend, aber nicht unser Geist. In dem Moment steht fest, dass du die nun vorliegende Zeit für dich nicht wirklich erleben wirst und du aus dieser Zeit und damit auch aus diesem Meeting überhaupt nichts mitnimmt. Diese Zeit wird für dich und oftmals auch für die anderen zu einer „toten“ Lebenszeit.

Absichten setzen ist auch in
einer erfolgreichen Kommunikation entscheidend!

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Übungen und Hintergründe dazu!

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Wenn du dies wiederholst, führt es auch dazu, dass du denkst, deine Lebenszeit zieht einfach an dir vorbei, weil du sie gar nicht bewusst erlebst.

Jetzt könntest du sagen: „Naja, das passiert nicht jedes Mal.“

Ja, es passiert vielleicht nicht jedes Mal, aber wie oft passiert es uns denn wirklich?

Unsere Erwartungen stehen dem Erfolg im Wege

Nicht immer ist es das fehlende Bewusstsein, welche uns beispielsweise in Gesprächen nicht zum versprochenen Erfolg führt – manchmal sind es unsere Erwartungen daran.

Wir sind in einem geplanten Gespräch oder einem Meeting und erwarten etwas. Wir haben eine Erwartung, wie das Gespräch laufen oder ausgehen soll, wie sich der oder die andere verhalten soll oder was als Ergebnis ggf. rauskommen sollte.

Auch hier werden wir eher enttäuscht, denn oftmals sind unsere Erwartungen unausgesprochen und hängen unsichtbar in der Luft. So werden sie sich wahrscheinlich nie erfüllen. Des Weiteren richten wir mit einer Erwartungshaltung unseren Fokus ausschließlich auf unser Gegenüber oder die anwesenden Personen.

Es geht darum, was diese zu erfüllen haben, damit unsere Erwartungen erfüllt werden. Ist dies wirklich fair? Sicherlich nicht. Denn eigentlich müssten wir uns als Erstes fragen: Was wollen oder werden wir denn einbringen?

Mit Absicht die Verantwortung wandeln

Gespräche und Meetings sind nicht dann erfolgreich, wenn wir Erwartungen haben, sondern viel wahrscheinlicher dann, wenn wir in unserer Verantwortung eine konstruktiv positive Absicht hätten.

Denn liegt diese nicht vor, müssen wir uns ja ehrlicherweise eingestehen, dass wir die Verantwortung an ein gutes Gespräch und an ein gutes Meeting an die anderen vollständig abgeben, denn die haben jetzt etwas zu erfüllen, damit dies hier, vor allem für mich, richtig gut läuft.

Dieser nie zu erfüllende Anspruch ist meist dann ein Garant dafür, dass eine erfolgreiche Kommunikation oder Meeting nicht gelingen kann. Wir lassen uns nicht aufeinander ein, wir prüfen oftmals nicht unsere wahre Haltung und wir kommen mit keiner ganz klaren konstruktiven Absicht in das Gespräch, wie schade.

Was ist Absicht?

Eine „wahre Absicht“ ist eine innere Entschlossenheit, wo du alle Kräfte deines Systems wie deine innere Haltung, deine Vernunft, aber auch deine Emotionen, dein Körper und dein Unterbewusstsein glasklar auf eine (möglichst konstruktive) Ausrichtung bringst.

Dies ist nicht mit einem Wunsch einer eventuellen Möglichkeit zu verwechseln, sondern eine glasklare Absicht ist handlungsorientierend.

Es setzt dich mit allem, was du mitbringst für die eine Sache und für die von dir gesetzte Absicht in Bewegung. Eine wahre Absicht kann enorm powervoll sein, weil sie dich von innen heraus kräftigt, dir Energie gibt, dich in eine volle Präsenz bringt und dich glasklar ausrichtet.

Welche Wirkung kann Absicht haben?

Wenn wir uns vorstellen, dass die meisten Gespräche ab sofort mit glasklaren Absichten von den meisten Teilnehmern/Teilnehmerinnen ablaufen würde, dann wären sehr viele Gespräche und Kommunikationen, gehaltvoller, präsenter, wirkungsvoller, entwicklungsfördernder und lernender.

Wir würden uns in Gesprächen begegnen, wo jeder eine etwaige Absicht mitbringt, wie z. B.: „Ich werde mich in unserem einstündigen Austausch mit meiner vollen Aufmerksamkeit, meiner Expertise und einem neugierigen Zuhören der anderen Expertisen einbringen.“,

„Ich werde mich in dem bevorstehenden Austausch nicht streiten, sondern konstruktive Ansätze finden, damit wir alle zu einem guten nächsten Schritt finden, der von allen ausprobiert werden kann.“
„Ich werde in dem vorliegenden Austausch eine Energie einbringen, die andere einlädt, ansteckt und uns gemeinsam im positiven Sinne entwickelt.“

Wir würden dann damit aufhören, permanent die Verantwortung bei anderen zu suchen. Wir würden uns selbst in einer Gestaltungskraft erleben, die uns beflügelt und wir würden so viel mehr bewusste Lebenszeit zurückgeschenkt bekommen, weil wir präsenter und gestalterischer unterwegs sind.

Wie du mehr Absicht in deine eigene Lebenskultur einlädst

Fast habe ich den Eindruck und da will ich mich gar nicht ausschließen, dass wir nur gelernt haben, wie wir Erwartungen setzen können. Wir haben Erwartungen an uns selbst, wir haben Erwartungen an unsere Kollegen und Kolleginnen, an unsere Führungskraft, an unsere Kinder, an unsere Eltern und an unsere Freunde. Meist laufen wir den Erwartungen dann lebenslang hinterher und sind enttäuscht.

Ich glaube, wir können dies wandeln, indem wir statt Erwartungen zu haben anfangen, Absichten zu setzen und uns somit zu einem viel größeren Gestalter/ Gestalterin der eigenen Lebenskultur erheben.

Wir machen uns unabhängiger und fangen an, das „Zepter“ wieder stärker selbst in die Hand zu nehmen.

Absicht lässt sich trainieren, wenn wir es denn wirklich wollen und dies relativ einfach.

Du könntest dir ab sofort jeden Tag eine positive Absicht/ Intention für den Tag geben. Du könntest vor jedem Gespräch, vor jedem Austausch, vor jedem Meeting eine ganz konkrete Absicht setzen. Du könntest eigentlich vor jeder Handlung: wie Mittagessen, Pause machen, Lernen, Konzept schreiben, vor den Elternbesuch, vor dem Treffen mit deinem Freund eine Absicht setzen.

Absicht wäre immer relevant und je öfters du es für dich anwendest, umso mehr geht es dir in Fleisch und Blut über und du wirst mit der Zeit bemerken, dass du immer mehr Hoheit und vor allem Gestaltungshoheit für deinen Alltag zurückgewinnst.

Du kannst diese Wirkung noch erhöhen, indem du deine Absicht/ Intention auf ein Blatt Papier, Post-it oder in dein Journaling-Buch schreibst.

Vielleicht ist dies eine wundervolle neue Gewohnheit, welche relativ einfach zu integrieren ist und du dies jetzt mit in das neue Jahr nehmen möchtest. Dir ganz viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Wenn dich solche Themen zur Persönlichkeitsentwicklung interessieren und du dich in deiner Rolle als Führungskraft, Kulturgestalter/in, Team- und Abteilungsleiter/in noch wirksamer aufstellen möchtest, dann schau bei meinem digitalen Mitgliederbereich “Kultur beflügelt” vorbei!

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