Blicke ich 20 Jahre zurück, dann war ich selbstverständlich immer Eva. Ich war aber eine andere Eva.

Ich war meine Erziehung, meine Bildung, mein familiäres Umfeld, meine bis dahin erreichte Performance, meine angenommenen Denkmuster u.a. von „Gut genug zu sein!“ und natürlich auch oft „Möglichst die Beste zu sein!“ 

Das war alles mit jeder Menge Druck ausgestattet, das nächste Ziel zu erreichen, den nächsten Schritt zu wagen, das nächste Projekt aufzugreifen, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Was ich nicht bemerkte, war, wie sehr mich diese Art und Weise des Denkens belastete und wie sehr ich mir dadurch den liebenvollen Umgang mit mir selbst nahm. Denn bewusste Rücksicht auf mich selbst gab es zu dieser Zeit nicht.

Mein unbewusster Geist
Zurückblickend war ich ein unbewusster Geist, der das nächste Ziel haben wollte, der das nächste Ergebnis erreichen wollte. Ich war eher „Haben“ als „Sein“. Ich wollte ein Unternehmen haben. Ich wollte Erfolg haben. Ich wollte eine beständige Gesundheit haben. Ich wollte Anerkennung haben. Ich wollte eine schöne Wohnung haben. Ich wollte eine liebevolle Partnerschaft haben.

Ich habe mich darüber definiert.

Aber ich hab mir keine Gedanken darüber gemacht, wer ich für mich und für andere sein will.

Und ganz ehrlich: Ich habe nicht unterschieden zwischen „sein“ und „haben“. Das kam mir gar nicht in den sinn.

Im Denken bin ich doch gut
Das Festhalten an „Haben“ verbunden mit unserem unbewussten Geist führt dauerhaft dazu, dass wir sehr viele Situationen und eigene Lebensumstände nicht mehr infrage stellen.

Dazu gehört beispielsweise, dass uns unser Umfeld unreflektiert formen darf und dass wir unsere eigene Kraft und Potenziale gar nicht anzapfen.

Das Fatale daran ist, dass ich nicht gemerkt habe, dass dies die Ursache für meine innere Schwere und Anstrengung ist. Ich habe geglaubt, dass ich bereits auf Grundlage meiner wahren Potenziale und Stärken handele, weil ich nicht gemerkt habe, dass ich diese ja nie bewusst ergründet habe.

Ich hätte doch nicht daran gedacht, dass ich für viele relevante Aspekte keine ausreichende Bewusstheit habe. Der Druck und die Anforderungen kamen aus meiner Sicht von außen und gehörten zur dynamischen Zeit dazu.

Die ständig zu erbringende Performance war eine berechtige Anforderung des Arbeitslebens, die Anstrengung war Folge eines zu erlangenden Erfolges. Ich kann dagegen halt nichts tun, dachte ich.

Und ganz ehrlich, wie sollte ich auf Grundlege dieses Denkens irgendwas infrage gestellt haben?

Zumal ich auch viel dachte und nachdachte. Also persönlich dachte ich, im Denken bin ich sogar richtig gut. Ich kann schnell erfassen, mir fällt es leicht gedankliche Kombinationen zu finden und ich kann mir vieles merken. Ich dachte wirklich, ich denke doch bereits reflektiert und habe meine wahren Bedürfnisse im Blick.

Falsch. Was ich nicht tat war: Meine Gedanken hinterfragen!

Die Kraft meiner Gedanken
Ich übersah, dass das mein unbewusstes und ich würde sogar noch sagen unreflektiertes und ungesteuertes Denken, das aus mir machte, was ich war.

Ich fing erst Jahre später an meine Gedanken zu reflektieren und zwar als zwei Dinge in meinem Leben eintraten: Erstens, ich das Gefühl hatte, alles nur noch rational zu (zer)denken und zweitens, ich bemerkte, dass mir mein Denken nicht gut tat..

Jetzt musste ich allerdings noch zwei Dinge zusammenbringen, die ich in der Vergangenheit gar zusammengebracht hatte. Dass mein Denken oder sagen wir lieber mein Mindset mit meinen einzelnen Gedanken zu tun hat und dass ich die einzelnen Gedanken mal näher und bewusster beleuchten sollte.

Ich merkte also, dass mein Denken darauf getrimmt war, die gesamten äußere Einflüsse hinzunehmen und für mich rechtfertigen oder auch ungehindert durchzulassen, statt zu hinterfragen, wo meine mentalen Grenzen sind und wo ich mich selbst gedanklich stärken müsste.

Der Schmerz, die eigene Brille abzusetzen
Es war damals eine große und trotzdem langsam schleichende Erkenntnis. Es war der schwierigste Schritt, weil jetzt noch etwas Weiteres dazu kam, was ich in der Vergangenheit ignorierte. Dies war die Frage: Was glaube ich und an was glaube ich?

Dabei bemerkte ich, dass es mir in der ersten Zeit sehr schwerfiel zu hinterfragen, was ich glaubte. War doch mein Glaube und das, was ich glaubte sah echte, erlebte Realität für mich. Wieso sollte ich die für mich anfühlende Realität infrage stellen?

Die Folge: Ich musste mir viele Fragen stellen und ich musste sie mir immer wieder stellen. Warum glaubst du das, Eva? Woher kommt dieses Realitätsbild? Wann ist diese Realität für dich entstanden? Was ist dein Anteil? Was könntest du Alternativ denken? Welche anderen Gedanken kannst du dir erschaffen?

Warum glaube ich beispielsweise, dass es in Ordnung ist Tag für Tag Überstunden zu machen und den Druck, dass es sich um schwere Zeiten handelt, zu meiner allgegenwärtigen Sorge zu machen.
Warum glaube ich ist das angemessen, auch wenn ich merke, dass es mir damit nicht gut geht.

Gerade das Erschaffen von neuen Gedanken war für mich Anfangs zu unrealistisch, als ob man sich etwas vormacht, als ob man die eigene sich echt anfühlende Realität negiert? Ich kam mir vor, als ob man sich selbst verlässt und ein Stück verrät.

Aber das, was ich da erlebt habe, ist genau der Schmerz, dieses Unwohlsein, diese Unsicherheit, wenn wir uns transformieren. Wir ringen mit unseren inneren Widersprüchen, fühlen uns ohne Orientierung und sind auch ein wenig unzufrieden. Wir haben noch keine neuen Realitätsbilder erschaffen und daher halten uns die alten Realitätsbilder auch magnetisch fest. Sie lassen Zweifel hochkommen und wollen uns in die Irre führen.

Transformation braucht ein Zukunftsbild
Und hier folgt die nächste Erkenntnis, wo ich gefühlt weitere Jahre benötigte. Vor allem das Zulassen war die Herausforderung. Es ging um die Frage: Wer will ich sein? Warum will ich dies sein? Welche Gefühle sollen mich im Alltag begleiten? Welchen Beitrag kann ich dadurch für mich und für andere ermöglichen? Es fühlte sich fast ein wenig zu groß für mich an, ein wenig zu unrealistisch.
Sich wirklich hinzusetzen und den Mut zu haben, diese Frage ohne ständigen Zweifel, was ist möglich, was ist realistisch, will ich dies wirklich, ist dies das Richtige zu beantworten, brauchte auch bei mir Zeit.

Aber nur dadurch, dass wir in das, was wir erschaffen wollen Bewusstheit hineingeben, kann sich für uns die Welt und unser eigenes Leben noch einmal drehen. Dazu gehört auch der Glaube, dass du mit wundervollen Potenzialen ausgestattet bist, die du für dich noch einmal anders nutzen kannst und die andere wundervoll gebrauchen können. Dazu gehört auch der Glaube, dass du dir eine gesunde Arbeitsstruktur schaffen kannst, in der du nicht in ständiger Aufopferung lebst.

Und dies war der wahre Schlüssel für einen erfüllteren Alltag und für die Gestaltung meiner täglichen Kulturlandschaft. Ich fing an, meine Zeit bewusster einzuteilen. Ich fing an, meine Tätigkeiten bewusster auszuwählen. Ich fing an, mehr Hoheit und Verantwortung für mich zu übernehmen. Ich fing an, mehr Möglichkeiten zu sehen. Ich fing an, gestalterisch breiter zu werden. Ich fing an, größer und freier zu denken. Ich fing an, mehr zu sein.

Genau zu diesem Zeitpunkt habe ich vor 10 Jahren das Journalen angefangen. Ich wollte mich nicht mehr verlieren, sondern an mir dran bleiben, um mich selbst noch mehr kennenzulernen und meine eigenen Wechselbeziehungen zu verstehen.
Und dies ist auch heute noch eine ständige Begleitung, die als Lebensroutine in meinen Alltag eingeflossen ist.

Mit dem Einblick in meinen kleinen Weg möchte ich dich ermutigen. Erschaffe auch du eine bewusste ICH- und Zukunfts-Kultur für dich, die dir Orientierung und Halt gibt und die dir ermöglicht deinen Alltag souveräner und freudiger zu gestalten.

#ichkultur

 

 

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