Mal wieder eine dicht gefüllte Woche voller Meetings, Projektbesprechungen, Konzepterstellungen, Teamabstimmungen und Kundenterminen. Lisa schaut in ihren Kalender und lächelt. Sie nimmt ihren Kalender heute als eine selbst gewählte Option wahr und nicht mehr als ein Instrument, was sie durch die Woche „prügelt“. Tatsächlich ist die Fülle des Kalenders nicht weniger geworden, aber doch anders. Stärker selbstbestimmt, stärker auf sie und ihren Möglichkeiten abgestimmt, stärker in einer gestalterischen, freudigen und zuversichtlichen Energie. Vor zwei Jahren, im Jahre 2019, sah das noch ganz anders aus.

EIN ERNEUT ANSTRENGENDER FREITAG IM JAHR 2019
Vor Lisa liegt ein typischer Freitag. Ein Freitag, der nicht zufrieden stimmt. Ein Freitag, der die ganze Hektik der Woche gebündelt vereint. Ein Freitag, bei dem sie sich mal wieder fragt, wo ihre Deep Work-Zeit geblieben ist. Ein Freitag, der ihr signalisiert, dass sie bei Weitem nicht das geschafft hat, was sie sich vorgenommen hat.
Eigentlich begann Lisa die Woche am 16.09.2019 wie jeden Montag. Sie hatte sich am Wochenende gesammelt, alles neu strukturiert, ihren Kalender mit Timeboxen versehen und sich erneut geprimt: „Diese Woche liegt die Hoheit meines Alltages bei mir – ich bin gut vorbereitet!“

Bereits am Montagabend bröckelte die eigentliche Souveränität über ihre Struktur. Von den zwölf Aufgaben sind fünf Aufgaben liegen geblieben, da permanent unverhoffte Anfragen hereinkamen, Termine länger gedauert oder sich Verschiebungen in den Zuarbeiten ergeben haben. Am Mittwoch der gleichen Woche war dann eigentliche jegliche Struktur und Hoheit über den Haufen geworfen und das Einzige, auf das Lisa jetzt hoffte, war der Freitag.

Die 38. Kalenderwoche des Jahres 2019 verlief für Lisa, wie viele Wochen davor. Wochen voller Hektik, Fremdbestimmung, Anstrengung und kaum noch beherrschbarer Komplexität.

EINE BEGEGNUNG MIT STAUNEN
Nach der 38. Kalenderwoche folgten noch viele weitere Wochen, bis Lisa im November auf Julia stieß. Sie wirkte irgendwie leichter, war immer voll mit Energie ausgestattet und konnte trotz großer Herausforderungen um sie herum auch noch aus voller Überzeugung lachen. Erst dachte Lisa: „Naja, Julia hat bestimmt einen leichteren Job als ich.“ Das Gegenteil war jedoch der Fall. Als Julia berichtete, welche Verantwortung sie trägt, welche Zukunftsprojekte sie gerade angestoßen hatte und in welchen Netzwerken sie unterwegs war, staunte Lisa nicht schlecht. Sie hatte irgendwie das Gefühl, dass Julia mehr gerockt bekommt. Das hörte sich nach einer anderen Welt an. Eine Arbeitswelt, wo man zufriedener ist, trotzdem enorm viele tolle Projekte realisieren und wo man selbst wachsen kann und auch darf. Lisa wurde neugierig.

EINE AUFKLÄRUNG IM CAFÉ
Bei einem Treffen im Café musste Lisa herausbekommen, wie Julia es gelang, sich diese Souveränität und Leichtigkeit im Alltag zu erhalten. Und sie fragte direkt: „Weißt du Julia, ich nehme dich immer so ausgeglichen und innerlich zu zufrieden wahr. Du wirkst trotz der ganzen Anforderungen so geerdet und einladend. Wie gelingt dir das?“

Julia lächelte und antwortete: „Es war eine Reise. Eine Reise zu mir selbst, die bis heute noch nicht zu Ende ist, die mir aber bis hierher schon sehr viel ermöglicht hat. Früher habe ich alles als enorm anstrengend empfunden. Es gab Tage, da wusste ich weder ein noch aus. Alles stürmte auf mich ein. Dabei hatte ich das Gefühl, dass alle an mir zehren durften, dass ich allen gerecht werden musste, dass ich alles sicherzustellen hatte.”

Sie dachte kurz nach und führte fort: „Zwischendurch machte ich mich dann auf die Suche und ging der Frage nach, was dieser hektische Alltag mit mir zu tun hat. Ich habe dann Wochenendseminare in Anspruch genommen und besuchte Abendkurse. Solange ich bei der eigenen Auseinandersetzung geblieben bin, hat das auch geholfen. Überflutete mich allerdings wieder mein Alltag, war alles ganz schnell wieder weg.“

MICH GANZHEITLICHER WAHRNEHMEN
„Vor zwei Jahren bin ich dann auf einen Ansatz gestoßen, der mir die eigene begleitende Auseinandersetzung viel besser ermöglichte. Ich hatte die Gelegenheit mir meine eigene Identitäts-Landkarte zu erstellen, also eine Gesamtübersicht darüber, wer ich wirklich bin. Ganz ehrlich, in solch einem Facettenreichtum hatte ich mich bisher gar nicht gesehen und wahrgenommen. Ich hatte keine Ahnung, wie wertvoll und gewinnbringend beispielsweise auch die Auseinandersetzung mit meiner Idenität der Zukunft ist.

Diese Erarbeitung meiner eigenen Identitäts-Landkarte hat mir klar gemacht, wer ich wirklich bin, welche Vielfalt ich habe und wie ich leben will. Ich habe gemerkt, was auch für mich an Möglichkeiten da sind und was ich alles bereicherndes mitbringe und einbringen kann.

Dieser Anstoß hat mir gezeigt, dass ich den ganzen Herausforderungen bisher gar nichts entgegensetzt hatte und ich mich gar nicht oder nur wenig kannte. Dies führte dazu, dass alle Anforderungen einfach durch mich durchfließen konnten, ohne dass ich die Möglichkeit nutzte, dies für mich abzugleichen. Ich habe einfach auf die Herausforderungen reagiert, ohne sie für mich einzuordnen.“

ICH HOLTE MIR MEINE SOUVERÄNITÄT ZURÜCK
Lisa atmete tief und sagte: „Heute kann ich mit anstrengenden Situationen viel besser und souveräner umgehen, da ich sofort abgleichen kann, ob die Anstrengung etwas mit mir zu tun hat oder ob ich sie auch stehen lassen kann. Ich kann viel besser entscheiden, was ich emotional zulassen möchte und was nicht. Ich kann dadurch meine ganze Energie viel mehr bei mir behalten und nicht permanent abgeben.

Auch mal die Möglichkeit zu erhalten, meine Potenziale, Stärken und Werte zu betrachten, um daraus zu erkennen, was ich eigentlich alles mitbringe. Ganz ehrlich, das hatte ich überhaupt nicht so präsent im Blick und das hat mich im positiven Sinne überrascht.

Sehr spannend war in diesem Kontext die Einordnung der eigenen Zukunftsvorstellung. Damit hatte ich mich bisher überhaupt nicht beschäftigt und mir fiel es am Anfang sehr schwer. Aber eigentlich ist es ein sehr toller Ansatz, um zuversichtlicher und optimistischer zu bleiben und mehr Orientierung für sich zu erhalten. Heute liebe ich diesen Ansatz, beschäftige mich viel mehr mit der Zukunft und behalte das viel mehr im Blick.“

EIN BEGLEITENDER KOMPASS
Mit großen Augen lauschte Lisa Julias Worten und fragte nach: „Und heute? Wo stehst du heute“?
Julia antwortete: „Meine kleine Reise ist jetzt schon 14 Monate her, aber ich bin drangeblieben. Die erstellte Identitäts-Landkarte, die in meinem Homeoffice hängt, dient mir heute noch als ein wundervolles Instrument, um meinen Alltag abzugleichen, mich immer wieder zurückzuholen, neu zu justieren und an mir zu arbeiten.

Mindestens einmal in der Woche trete ich an meine Identitäts-Landkarte heran und reflektiere für mich. Ich frage mich konkret, wie es mir ergangen ist, ob ich bei mir bleiben konnte und wo mir ggf. meine eigene Hoheit auch wieder ein wenig verloren gegangen ist.

Oft erkenne ich durch die Reflexion auch Chancen, mich in gerade anstehenden Projekten oder Aufgaben, noch viel besser im Sinn meiner Potenziale oder meines Zukunftsbildes auszurichten.

Ich bin ganz glücklich, denn so langsam geht es in Fleisch und Blut über, an mir selbst dran zu bleiben. Diese Aufmerksamkeit habe ich mir in der Vergangenheit bei Weitem nicht geschenkt.“

ICH BIN LOSGEGANGEN
Julia schloss ab, in dem sie sagte: „Ich bin mehr bei mir angekommen, ich habe eine höhere Souveränität über meinen Alltag gewonnen und ich gestalte meine eigene Arbeitskultur mehr aus mir heraus, aber eben auch einladend für andere.“

Nachdem sich Julia und Lisa im Café verabschiedeten, dachte Lisa auf dem Nachhauseweg noch lange darüber nach. Fünf Monate später hielt sie stolz ihre eigene Identitäts-Landkarte in der Hand. Mittlerweile sind auch für sie weitere fünf Monate vergangen und sie lächelt, als sie auf ihren Kalender schaut, ihren Kaffee in die Hand nimmt und aus dem Fenster in die Weite blickt.

Sie spricht im Inneren zu sich: „Das hat mich innerlich so gestärkt. Es hat mir so viel Kraft und Orientierung gegeben, sodass ich mit den ganzen Herausforderungen und Komplexitäten heute ganz anders umgehen kann. Ich habe mir etwas erarbeitet, was mich erdet und zufriedener macht, was mir die Möglichkeit gibt, innerlich zu wachsen.“

#ichkultur

 

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