Kaum einer würde den Wandel heute noch verleugnen. Gerade auch aufgrund der aktuellen Tatbestände ist es kollektive Ansicht und Überzeugung geworden, dass eine permanente unternehmerische, aber auch eigene Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Dabei haben wir überwiegend die Erkenntnis gewonnen, dass das was passiert sehr unbeständig ist, uns keine Sicherheit mehr gibt und vielfach von uns unterschiedlich gedeutet werden kann. Wir beschreiten jeden Tag eine Zukunft, die nicht mehr aus dem Gestern fortgeschrieben werden kann.

All das nehmen wir nun tatsächlich wahr, erleben es am „eigenen Leib“ und können es spüren. Wir erleben heute also nicht mehr nur einen rationalen Aspekt der Veränderung, sondern ein emotionales Empfinden des Wandels. Führt es uns aber tatsächlich dazu, dass wir unsere eigenen Konstrukte der Realität, unsere eigene Alltagssituation und unsere eigene Arbeitskultur wirklich in Frage stellen und verändern?

AUF DEM RICHTIGEN WEG?

Mir fällt auf, dass aufgrund der mittlerweile emotionalen Dringlichkeit eine höhere Offenheit und ein auf die Suche gehen zugenommen haben, was sehr zu begrüßen ist. Jetzt aber, geht es um den Weg! Auf eben dieser Suche nach dem Weg nehme ich allerdings wahr, dass die Suche vielfach im Kontext der alten Denkmuster passiert. Welcher Weg ist der Richtige? Welcher Weg gibt mir die größte Sicherheit? Welchen Weg kann ich kontrollieren? Welcher Weg ist der Schnellste? Was ist die richtige Methode? Wie kann ich der Erste sein?

Was die meisten sich heute immer noch erhoffen, sind eindeutige Antworten, um gerade auch im Kontext der vorherrschenden Unternehmenskultur keinen Fehler zu machen, anerkannt und erfolgreich zu bleiben, zu beweisen, dass man selbst die komplexeste Situation im Griff hat und das Chaos beherrscht.

Was wir dadurch erzeugen, ist ein eigenes Antreiben, ein eigenes Hamsterrad, ein eigenes um sich selbst drehen und damit die Zunahme der Fremdsteuerung, da wir glauben, dass sich die Antwort dort draußen, durch Andere, durch neue Methoden, neue Strukturen oder neue Prozesse finden lassen würden.

DER BLICK FÜR EINE NEUE REALITÄT

Das auch eine Systemveränderung, also das Wie, relevant ist, will ich nicht von der Hand weisen, aber eben erst im zweiten Schritt. Im ersten Schritt ist es notwendig, dass wir unsere eigene Denkweise und damit auch unsere Haltung hinterfragen. Es geht darum zu erfahren, ob das lineare Abarbeiten, das immer wieder absichernde Handeln, das nicht wahrnehmen unserer Gefühle, dass sich hinein ziehen lassen in Bewertungsschleifen, das Ignorieren von andersartigen Sichtweisen, die nicht mehr loswerdende Gegenwartspräferenz und das beklemmende Gefühl von fehlender Weiterentwicklung dich wirklich weiterbringt. Denn dieses Verhalten begründet sich vor allem aus der Frage: Wer Du bist?

Denn um einen Weg zu finden die Realität von heute anders angehen zu können, bedarf es als erstes der Frage: Wer bin ich? Erst durch diese Frage bekommst du für dich ein eigenes Bild darüber, warum du dich so verhältst wie du dich verhältst. Solange du dies für dich nicht durchdrungen hast, wird dir keine neue Alltagsmethode dauerhaft helfen oder dich in eine neue zufriedenere Realität führt.

TIEFER GEHEN UND DEN GRUND ERKUNDEN

Ich glaube, dass wir heute die Grenze der „oberflächlichen“ Auseinandersetzung mit uns selbst erreicht haben. Die Meisten spüren mittlerweile, dass sie wahrscheinlich tiefer gehen müssen um zu erkennen, warum sich Dinge vielleicht in ihrer eigenen Arbeitskultur positiv ergeben, aber auch warum sich bestimmte Dinge nicht verändern, obwohl sie immer wieder Neues ausprobieren. Warum sie manchmal mit Leichtigkeit handeln können und dann wiederum der Alltag oft energieziehend und anstrengend erscheint. All unser Handeln hat mit uns selbst zu tun. Das Meiste was uns im Alltag passiert, ist ein reflektierendes Bild dessen, wer wir sind.

FÜR UNSERE REIFE TRAINIEREN

Wer sich wirklich verändern will, wer wirklich bessere Antworten im Umgang mit den Herausforderungen finden möchte, muss einen persönlichen Weg wählen.

Den Weg nach dem eigenen inneren Wachstum. Und er braucht noch etwas: einen Willen, um sich einen Raum zu kreieren, um sich kontinuierlich damit auseinanderzusetzen und zu trainieren. Gerade Letzteres hat vielfach noch keine Anerkennung gefunden. Wir sind zwar heute vielfach bereit für unseren Körper und unsere Gesundheit zu trainieren, aber für unsere geistige Reife zu trainieren, vernachlässigen wir großzügig. Ich bin der tiefen Überzeugung, dass geistige Weiterentwicklung und Training heute zu jedem Gestalter gehört, da er ansonsten immer nur das Gleiche kreiert und sich sowie Anderen keine neuen Möglichkeitsräume eröffnet.

 

ALTERNATIVES FRAGEN

Das innere Wachsen oder Reifen ist für einige Menschen bereits ein bewusster Lebensbereich, den es zu gestalten gilt. Der in unserem Leben und damit auch in unserem Alltag Raum bekommt. Ich glaube, dass die Gestaltung dieses Lebensbereiches eine Verantwortung ist, vor allem für die Menschen die wiederum andere Menschen führen wollen und die Systeme, in welche Menschen integriert sind, gestalten möchten. Wie soll ich andere Menschen für heutige Herausforderungen entwickeln, wenn ich mich nicht selbst weiterentwickle? Und dabei geht es auch hier nicht darum neu erlernte Methode an meine Mitarbeiter weiter zu geben oder im Außen kennengelernte Bausteine einfach woanders zu installieren.

Es geht eher darum, mit meinem Weitblick, mit meiner Reife zu verstehen, inwieweit mein Team für solch neue Methoden überhaupt vorbereitet ist? Inwieweit ich mit solchen Ansätzen eine nachhaltige Entwicklung anstoßen kann? Warum löst die Vorgehensweise bei mir Panik aus? Warum gehe ich die Veränderung nicht an?

 

DER PROZESS DER EIGENEN AUSEINANDERSETZUNG

Um mich in einer sehr komplexen Welt besser navigieren zu können, muss ich für mich selbst tiefer verstehen, wie ich mich selbst, mein Umfeld und die Welt wahrnehme und interpretiere. Ich kann einer komplexen Welt kaum etwas entgegensetzen, wenn ich selbst meine Landkarte nicht kenne und dafür auch keinen Kompass in der Hand habe.

Überspitzt könnte man sagen, fehlt dies, so kann mich die komplexe Welt mit seinen Unsicherheiten, Widersprüchlichkeiten und Mehrschichtigkeiten überrollen. Ich habe aus meinem Inneren nichts dagegenzusetzen.

Und dies ist genau das, was viele spüren – die eigene Orientierungslosigkeit, das fremdgesteuert sein, das ewige Hamsterrad, das Hinterherlaufen und gehetzt sein.

Das neue Jahr ist noch nicht mal einen Monat alt. Also noch jung genug, um diesen für Dich so wertvollen Lebensbereich stärker in den Mittelpunkt Deiner Aktivitäten für das Jahr 2021 zu stellen.

Der Weg der eigenen Auseinandersetzung und die Beantwortung der Frage: Wer bin ich? Ist kein geradliniger Prozess, sondern ein suchender, ein iterativer und ein lernender. Daher ist es wichtig, dass wir bewusst anfangen, unser ehrliches Interesse daran behalten und dabei bleiben.

#ichkultur

 

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