HEIMAT BEDEUTET FÜR MICH WEITE UND MÖGLICHKEITEN IN HAMBURG. – WAS BEDEUTET ES FÜR UNTERNEHMEN?

Freitagabend 18:30 Uhr: Ich komme mit dem Auto aus Richtung „Süden“ und bin kurz vor dem Elbtunnel. Rechts die imposante Köhlbrandbrücke – links der Containerhafen mit seinen dicken und schwer beladenen Pötten. Ein großes Lächeln zieht über mein Gesicht, im Inneren hüpft mein Herz und ich denke – wie schön – Hamburg hat mich wieder. Ich fahre in meinem gewählten Heimathafen ein.

ICH BLEIBE FÜR LÄNGER

Quiddje werden Wahlhamburger in Hamburg genannt und davon gibt es hier viele. Ich gehöre auch dazu! Als ich vor fünfzehn Jahren nach Hamburg kam, habe ich es gespürt, ich bleibe für länger. Ich liebe die Elbe und den Elbstrand, den weltoffenen geschäftigen Hafen mit seinen kleinen Kuttern, großen Frachtschiffen, Seglern und Jollen. Und am liebsten halte ich mich dort auf, wo die Elbe so breit ist, dass man das Gefühl hat, man wäre am offenen Meer. Wo bei mir im Inneren diese grenzenlose Weite, die Freiheit und ein wenig Sehnsucht zur großen Welt entsteht.

WEITE SPÜREN UND INNEREN RAUM ZURÜCKGEWINNEN

Obwohl ich viel unterwegs bin, andere Orte mich faszinieren und ich ein umtriebiges Leben mag, ist es mir mittlerweile auch wichtig hier in Hamburg anzukommen und dieses Gefühl von Geborgenheit, Hingehören und Wohlfühlen zu genießen. Sozusagen Heimat zu spüren! Es ermöglicht mir in dem eigenen Alltag wieder mehr Weite zu bekommen und den selbstbestimmten Raum der Entfaltung zurückzugewinnen. Eine wichtige Rahmenbedingung, welche wir alle brauchen, um innerlich zu wachsen, um wieder Neues zu erschaffen.

BRAUCHEN WIR MEHR HEIMAT IN DEN UNTERNEHMEN

Ja und nein! Wenn unter Heimat ausschließlich zu verstehen ist Entschleunigung, Schonung, ein sicherer Ort und Sättigung im Sinne einer Rundum-Versorgung, dann wohl weniger. Wenn aber unter einer Unternehmens-Heimat emotionale Verbundenheit, Zugehörigkeit, freudiges Miteinander, anregender Spirit und inneres Wachstum gehört, dann JA.

In Hamburg gehören mir die Dinge auch nicht die ich so schätze, weder die Elbe, noch der Hafen oder eines der tollen Lokale, aber im Miteinander, in der Begegnung und in den Möglichkeiten bietet es mir Heimat.

Die Schaffung einer Heimat für möglichst viele Wahl-Mitarbeiter wäre eine besondere Herausforderung, vielleicht ein Experiment oder sogar etwas dringend Anzustrebendes in einer neuen Arbeitswelt.

Heimat in den Unternehmen ist ein komplexeres Gebilde, da es verschiedenen menschlichen Gruppierungen gerecht werden muss. Weiterhin ist das Anliegen (der Zweck) eines Unternehmens nicht aus den Augen zu verlieren und auch deren kontinuierliche Weiterentwicklung. Das Gebilde „Heimat“ wäre daher als kultureller Rahmen zu verstehen, wo all diese Dinge ermöglicht werden. Es hat etwas mit der Art und Weise, mit Beziehungsgestaltung und Emotionen zu tun.

EINIGE UNTERNEHMEN GEHEN AUF DEN WEG

Tatsächlich gib es Unternehmen, die in ihrer Strategie oder Positionierung darin werben: „Wir sind Heimat für neue Auszubildende!“, „Wir sind Heimat für Exzellenzen!“, „Wir sind Heimat für Gestalter!“ Dies in einem Strategiepier und in einer Unternehmenspositionierung zu definieren ist noch einfach. Es aber wirklich zum Leben zu erwecken, ein deutlich anstrengenderer Weg. Denn es bedeutet eine intensive Auseinandersetzung, viel Gehirnschmalz und noch mehr Ausprobieren und dranbleiben.

Es muss gelingen ein ganz besonderes Gefühl und zwar das Heimatgefühl zum Leben zu erwecken, so dass es möglichst Viele oder zumindest, die die man erreichen will, mit Leichtigkeit spüren können. Dazu braucht es im Unternehmen leidenschaftliche Gestalter, die Lust, Wille und Mut haben, so etwas Besonderes, wie ein Heimatgefühl entstehen zu lassen. Bestenfalls würde dies durch die jeweiligen Unternehmenslenker mitgetragen werden und zwar als bedeutsames Anliegen.

VORSICHT WIDERSPRÜCHLICHKEIT

Eine Heimat in einem Unternehmen zu ermöglichen, ist als einen übergeordneten Sinn zu sehen. Dieser sinngebenden Richtung muss vieles untergeordnet werden, damit es nicht widersprüchlich und unglaubwürdig gegenüber Mitarbeitern wirkt.

Eine Heimat für neue Auszubildende kann ich als Unternehmen nicht sein, wenn ich zwar vielfältige Angebote für Auszubildende unterbreite, wie z.B. Monats-Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr, aber den Auszubildenden von vielen Mitarbeitern im Unternehmen nicht zugewandt und auf Augenhöhe begegnet wird. Wenn Auszubildende eher permanent bewertet werden, statt ihnen als Mentor fördernd zur Seite zu stehen. Wenn ich gar nicht erst auf den Weg gehe zu verstehen, was Heimat heute für Jugendliche und Auszubildende heißt, wenn es mir nicht am Herzen liegt, hier etwas ganz Besonderes entstehen zu lassen.

ALS UNTERNEHMENSLENKER ERFÜLLT MICH HEIMAT

Und dies erreiche ich nur, wenn ich als Unternehmenslenker und Verantwortlicher für „Heimat“ brenne. Wenn ich selber von diesem Wort „Heimat“ innerlich erfüllt bin, ich mich dieser besonderen Art und Weise verschrieben habe und mit Leidenschaft etwas ausprobiere.

Dabei helfen vier Fragen:

  1. Warum “überhaupt” Heimat? Wozu eine Unternehmens-Heimat? Hier ist darauf zu achten, dass die Überlegungen intrinsisch motiviert seien sollten.
  1. Wie sollen Mitarbeiter oder bestimmte “Zielgruppen” diese Heimat im Unternehmen spüren?

Kritische Hinterfragung:

  1. Will ich dies als Verantwortlicher wirklich mit voller Konsequenz – solch eine Heimat? Was sind mögliche Konsequenzen gerade auch im Hinblick auf die ausgewählte Zielgruppe, wie Auszubildende, Exzellenzen, Gestalter? Trage ich diese Konsequenzen auch mit meinem Menschen- und Weltbild (Mindset) mit? Habe ich dafür auch ausreichend Unterstützer im Unternehmen?

… und erst dann folgt die Frage:

  1. Was wollen wir ausprobieren? Welche Rahmenbedingungen schaffen wir? Welche ersten Aktionen sind förderlich? 

Ich brauche mich um Punkt vier nicht bemühen, wenn ich vorher nicht intensiv die anderen Fragen geklärt habe. Mit der Frage eins bis drei legen Sie die Grundlage für eine wirklich spürbare Heimat, denn Heimat bleibt im Endeffekt ein spürbares Gefühl.

    HEIMAT FÜR POTENTIALENTFALTER

    Interview mit Quiddje („Wahl-Mitarbeiter“) Lars aus einem Unternehmen aus Lübeck im Jahr 2025:

    “Als ich vor sechs Jahren in das Unternehmen gekommen bin, habe ich es sofort gespürt – hier bin ich richtig, hier muss ich bleiben. Hier ist ein besonderer Spirit der Leidenschaft, der ansteckt, Dich mutig werden lässt und Dich immer wieder in einer besonderen Art und Weise herausfordert. Dabei unterstützt mich vor allem, dass hier gelebte Miteinander, die gegenseitige Förderung und der starke Wille gemeinsam etwas wertvolles zu erschaffen. Wir alle lieben diesen hier erschaffenen Ort des Wachstums und diese besondere Heimat.”

    So oder so ähnlich könnten Ihre Mitarbeiter in der Zukunft berichten.

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