Home / Führungskultur · Bewusste Leadership / Loslassen als Führungskompetenz: Was passiert, wenn du aufhörst, alles selbst zu machen
Eine Führungskraft steht in einem Besprechungsraum vor ihrem Team. Fünf Mitarbeitende sitzen am Konferenztisch und lächeln. Die entspannte Atmosphäre und die offene Körpersprache stehen für Vertrauen, Zusammenarbeit und Loslassen in der Führung.

Loslassen in der Führung gehört zu den Kompetenzen, die fast jede Führungsfrau kennt und fast keine wirklich beherrscht. Nicht aus Unwillen. Sondern weil das Gegenteil sich jahrelang bewährt hat. Katrin hat gelernt, was Loslassen bedeutet — und zwar nicht freiwillig.

Katrin ist Geschäftsführerin eines Gesundheitsdienstleisters. 80 Mitarbeitende, vier Standorte, acht Jahre von ihr aufgebaut. Morgens die Erste, abends die Letzte. Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, löste sie es selbst, weil es schneller ging, wenn sie es selbst machte. Das sagte sie zumindest.

In Wahrheit saß darunter etwas anderes: die tief sitzende Überzeugung, dass alles auseinanderfallen würde, wenn sie loslässt.

Dann wurde Katrin krank. Eine schwere Krise, die ihr keine Wahl ließ. Von einem Tag auf den anderen war sie nicht mehr da. Drei Frauen aus ihrem Team übernahmen, nicht weil es einen Plan gab, sondern weil Raum da war.

Als Katrin acht Monate später zum ersten Mal wiederkam, hing am Empfang ein Organigramm, das sie nicht kannte. Im Besprechungsraum saß eine ihrer Teamleiterinnen in einem Kundengespräch, das früher nur Katrin geführt hatte. Die Frau lachte. Der Kunde lachte.

Katrin stand im Flur. Und weinte.

Nicht vor Schmerz. Vor Dankbarkeit und vor der Erkenntnis, dass sie das all die Jahre verhindert hatte. Was sie danach sagte, ist der Satz, der diesen Text trägt:

„Loslassen hat nicht zu weniger Wirkung geführt. Sondern zu mehr. Nur eben nicht meiner.“

Was dieses Muster antreibt

Katrins Kontrolle war keine Schwäche sie war eine Strategie, die jahrelang funktioniert hat. Und genau das macht sie so schwer zu erkennen.

Das Muster sitzt tief: Je besser du bist, desto mehr rechtfertigt das den Eingriff. Je mehr du eingreifst, desto weniger wächst dein Team. Du wirst unersetzlich. Und das unersetzlich zu sein, fühlt sich nach Erfolg an. Bis zur Krise.

Loslassen in der Führung bedeutet nicht, sich herauszuhalten. Es bedeutet, aus einem anderen Ort heraus zu führen: Richtung geben, Kompetenz zutrauen, Sicherheit anbieten ohne zu kontrollieren.

Drei Reifestufen, wo stehst du?

Loslassen ist kein Schalter. Es ist eine Entwicklung. Diese drei Stufen beschreiben, wo Führungsfrauen mit diesem Thema stehen und was jede Stufe kostet oder ermöglicht.

 

🟠 Stufe 1 — Die Unentbehrliche

Du bist überall dabei, nicht aus Eitelkeit, sondern aus Überzeugung: Es wird besser, wenn du es selbst machst. Dein Team kann nicht wachsen, weil kein Raum da ist. Die Erschöpfung fühlt sich nach Einsatz an und kostet deshalb doppelt.

🟢 Stufe 2 — Die Wissende, die noch nicht kann

Du weißt, dass du loslassen solltest. Und trotzdem greifst du wieder ein. Der Reflex ist stärker als die Einsicht. Das erzeugt einen inneren Widerspruch, der zermürbt leiser als Erschöpfung, aber tiefer. 

🟡 Stufe 3 — Die Raumhaltende

Du gibst Richtung, lässt den Weg offen und bist da, wenn jemand etwas braucht. Dein Team entwickelt sich, auch wenn du nicht dabei bist. Deine Wirkung steigt, während dein Aufwand sinkt. Das ist vertrauensbasierte Führung und das Schwierigste, was ich kenne.

Eine Frage als Einstieg

Wenn du mit dem Thema Loslassen in der Führung weiterarbeiten willst, hier ist ein erster Schritt:

Wo halte ich gerade fest, obwohl ich weiß, dass Loslassen die klügere Entscheidung wäre?

Schreib dir die Antwort auf. Nicht um sie sofort zu lösen. Nur um sie zu sehen. Manchmal reicht das, um etwas zu bewegen.

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Mehr über Katrin und die Muster, die Führungsfrauen davon abhalten, wirklich loszulassen, findest du in meinem Buch „Ungezähmt führen. Female Leadership in bewegten Zeiten“. Es erscheint im BusinessVillage Verlag.

Liebe Grüße,

Deine Eva

Vorankündigung Buch Veröffentlichung:  Ungezähmt führen. Female Leadership in bewegten Zeiten.

Über Eva Zweidorf

Eva Zweidorf begleitet Führungsfrauen in der Tiefe in Einzelbegleitung, in Formaten und in ihrem Buch »Ungezähmt führen — Female Leadership in bewegten Zeiten« (Business Village Verlag).

Anfragen: ezw@kulturreform.com

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