Home / Führungskultur · Bewusste Leadership / Als Führungskraft krank: Warum du dein Team nach Hause schickst und dich selbst nicht
Eine erschöpfte Frau sitzt an ihrem Schreibtisch vor einem Computer. Sie hält eine Hand an die Stirn und ihre Brille in der anderen Hand.

Als Führungskraft krank zu sein, kommt in deinem Kalender nicht vor. Wenn jemand aus deinem Team ausfällt, findest du sofort eine Lösung. Wenn du selbst ausfällst, findest du einen Grund, warum es diese Woche gerade nicht geht.

Damit bist du nicht allein. Zwei von drei Führungskräften achten leichter auf die Gesundheit ihres Teams als auf die eigene. Das zeigt der Longevity Leadership Report der HanseMerkur, für den Ipsos im August 2026 rund 500 Führungskräfte befragt hat.

Ein ganz normaler Dienstagmorgen

Kurz nach halb acht klingelt dein Handy. Deine Teamleiterin ist dran und klingt heiser: »Ich glaub, ich hab mir was eingefangen.«

Du musst nicht überlegen. »Bleib zu Hause und werd erst mal gesund. Wir kriegen das hin.«

Du meinst das ernst. Du würdest es jeder und jedem in deinem Team genauso sagen.

Dann nimmst du eine Ibuprofen gegen das Kratzen im Hals, das du seit Sonntag mit dir herumträgst. Den Arzttermin am Nachmittag sagst du ab. Die Vorlage für den Vorstand muss bis Donnerstag stehen, und jetzt arbeitet eine Person weniger daran.

Um 19 Uhr sitzt du noch im Büro.

Eva Zweidorf mit ihrem Buch „Ungezähmt führen. Female Leadership in bewegten Zeiten“. Banner zur Buchveröffentlichung mit dem Hinweis „Mein Buch ist ab jetzt erhältlich“.

Eine Regel, die nirgends steht

Du hast nicht vergessen, auf dich zu achten. Du hast früh eine Regel gelernt, die in keinem Leitbild steht: Wer führt, fällt nicht aus.

Diese Regel hat dich weit gebracht. Du warst die, auf die man sich verlassen konnte, und genau dafür wurdest du befördert. Nur gilt die Regel in eine Richtung. Deinem Team schenkst du den freien Tag sofort. Dir selbst stellst du nicht einmal die Frage danach.

Warum gesunde Führung meist beim Team aufhört

Ich habe über zwanzig Jahre in Unternehmen an Kultur gearbeitet, von innen. Ich kenne viele Programme für gesunde Führung. Fast alle fragen, wie Führungskräfte ihre Teams gesund halten. Kaum eines fragt, wer eigentlich auf die Führungskraft achtet.

So bleibt diese Frage bei dir. Und du hast gelernt, dass du da nicht hinschauen musst.

Sicherstellen heißt in diesem Moment: für alle da sein und selbst durchhalten. Gestalten beginnt viel kleiner, mit einer einzigen Frage. Was würdest du einer Mitarbeiterin in deiner Lage raten? Und gilt dieser Rat auch für dich?

Drei Haltungen in derselben Lage

Das sind keine Stufen, auf denen du stehst. Es sind drei Arten, mit demselben Dienstagmorgen umzugehen.

🟠 Durchhalten

Du sagst allen, sie sollen sich auskurieren, und arbeitest selbst mit Halsschmerzen weiter. Krank sein ist etwas, das den anderen passiert. Du hältst sehr lange durch, bis irgendwann dein Körper die Entscheidung trifft, die du nicht treffen wolltest.

🟢 Bemerken

Du sagst den Arzttermin wieder ab. Aber diesmal merkst du, dass du es tust, und fragst dich, wessen Regel das eigentlich ist. Du handelst vielleicht noch genauso. Doch du weißt jetzt, dass es eine Entscheidung ist und kein Naturgesetz.

🟡 Gestalten

Du schreibst ins Team: »Ich bin heute raus, ab Donnerstag bin ich wieder da.« Die Vorlage bekommt einen Tag mehr. Dein Team sieht zum ersten Mal, dass Ausfallen erlaubt ist. Auch für die, die führt.

Ein Experiment für diese Woche

Nichts ändern, nur hinschauen. Achte darauf, welche Sätze du sagst, wenn es jemandem im Team nicht gut geht. »Mach langsam.« »Das kann warten.« »Geh heim.«

Und frag dich bei jedem Satz, wann du ihn das letzte Mal selbst befolgt hast.

Vielleicht ist das, was dich weitermachen lässt, gar kein Pflichtgefühl. Vielleicht ist es eine Regel, die nie jemand mit dir überprüft hat, weil sie so lange funktioniert hat.

Deinen eigenen Regeln auf der Spur

Ich bin Eva Zweidorf, Autorin von »Ungezähmt führen« (BusinessVillage). Ich begleite Frauen in Führung dabei, die ungeschriebenen Regeln zu erkennen, nach denen sie seit Jahren entscheiden.

Wenn du deinen eigenen Regeln auf die Spur kommen willst: Mein kostenloses Reflexionstool »Denkmuster« führt dich durch sechs Reflexionsräume, drei für dich und drei für dein Team.

 

Buchcover "Ungezähmt führen: Female Leadership in bewegten Zeiten" von Eva Zweidorf

Über Eva Zweidorf

Eva Zweidorf begleitet Führungsfrauen in der Tiefe in Einzelbegleitung, in Formaten und in ihrem Buch »Ungezähmt führen — Female Leadership in bewegten Zeiten« (Business Village Verlag).

Anfragen: ezw@kulturreform.com

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Eine Frau hält das Buch „Ungezähmt führen. Female Leadership in bewegten Zeiten“ von Eva Zweidorf auf ihrem Schoß.

Die Schicht, die ich noch nicht gehoben hatte

Du sagst, du vertraust deinem Team. Und baust die Präsentation trotzdem kurz vor dem Termin…

Sag mal, managst du oder führst du?

Ich bin selbst die Kultur