Home / Führungskultur · Bewusste Leadership / Warum du den entscheidenden Satz erst im Auto sagst
Erfahrene Führungsfrau sitzt nach einem Arbeitstag nachdenklich im Auto – Symbolbild für zurückgehaltene Entscheidungen und innere Klarheit in der Führung.

Freitag, Leitungsrunde. Es geht um das Projekt, das im Herbst laufen soll.

Dein Kollege sagt: „Bis Ende Oktober kriegen wir das hin.“

Du weißt, dass ihr das nicht hinkriegt. Nicht mit dieser Besetzung. Zwei aus deinem Team sind bis November in der Migration gebunden, das steht seit Juni fest, und du hast es in dieser Runde schon zweimal gesagt.

Du sagst: „Ich schau mir das an.“

Um 15:10 ist die Runde durch. Um 15:25 sitzt du im Auto, und bevor du den Motor startest, sagst du:

„Nein. Nicht mit dieser Besetzung.“

Du hast das nicht im Auto gemerkt

Du hast es um 14:40 gemerkt. Im Raum, während er sprach.

Zwischen 14:40 und 15:25 liegen fünfundvierzig Minuten und ein Parkplatz. In dieser Zeit ändert sich nichts an dem, was du weißt. Es ändert sich nur, wer im Raum ist.

Und das ist keine Schwäche. Es ist eine Rechnung, und du hast sie in Sekunden gemacht.

Wenn du jetzt Nein sagst, sitzt ihr zwanzig Minuten länger. Dein Kollege muss zurückrudern, vor seinem Chef. Danach kommt die Frage, ob dein Bereich eigentlich immer bremst. Und am Montag hast du drei Mails zu einem Thema, das ohne dich in zwei Sätzen erledigt gewesen wäre.

Der Satz kostet im Raum. Im Auto kostet er nichts.

Deswegen sagst du ihn im Auto. Nicht, weil du ihn dort erst findest. 

Eva Zweidorf mit ihrem Buch „Ungezähmt führen. Female Leadership in bewegten Zeiten“. Banner zur Buchveröffentlichung mit dem Hinweis „Mein Buch ist ab jetzt erhältlich“.

Drei Stufen

  • Der Satz kommt erst draußen

In der Runde funktionierst du. Du hörst zu, du hältst zusammen, du bringst die Sache zu einem Ergebnis. Der Satz kommt auf dem Parkplatz, im Aufzug, unter der Dusche. Am Sonntagabend formulierst du ihn noch einmal, diesmal richtig gut.

Du kommst freitags nach Hause und bist müder, als zwei Stunden Sitzung erklären. Nicht von der Sitzung. Von der Nachbesprechung, die du allein führst.

  • Der Satz kommt drinnen — und du sagst ihn nicht

Um 14:40 steht er da, und du merkst ihn. Du entscheidest dich dagegen, und du weißt, warum: weil dein Kollege gerade vor seinem Chef sitzt. Weil das Thema in zwei Wochen ohnehin auf den Tisch kommt. Weil du es dann sagst, unter vier Augen.

Im Auto sagst du ihn trotzdem. Aber er klingt anders. Du hast ihn zurückgehalten — nicht verpasst. Und am Montag schreibst du die Mail, die du dir vorgenommen hast.

  • Du triffst die Wahl im Raum

Manchmal sagst du ihn. Nicht immer. Du kannst benennen, woran du es festmachst: In Runden zu viert sagst du ihn, in Runden zu zwölft nicht. Wenn dein Chef dabei ist, sagst du ihn. Wenn dessen Chef dabei ist, wartest du.

Das ist keine Regel, die du dir überlegt hast. Du hast sie an dir beobachtet.

Der Weg zum Auto ist dann wieder ein Weg zum Auto.

 

Eine Messung für diese Woche

Das hier ist keine Übung im Nein-Sagen. Es ist eine Messung, und sie dauert vier Sekunden.

In deiner nächsten Runde: Wenn der Satz kommt, schau auf die Uhr. Schreib die Zeit an den Rand deines Blocks. Sonst nichts — du musst ihn nicht sagen.

Wenn du im Auto sitzt und er noch mal kommt, schau noch mal auf die Uhr.

Die Differenz ist die eigentliche Information. Nicht, ob du mutig warst. Sondern wie lange du etwas mit dir herumträgst, das längst fertig war.

 

Zum Schluss

Der Satz fehlt dir nicht. Du hattest ihn um 14:40, pünktlich, vollständig, mit Begründung.

Was dir fehlt, ist ein Raum, in dem er normal viel kostet.

Am Montag habe ich in Berlin aus »Ungezähmt führen« gelesen, in einem Restaurant hinter den Buchetagen bei Dussmann. Auf den Tischen lagen Karten. Vorne steht eine Frage, hinten fünf Zeilen mit einer Skala zwischen eng und weit. Dazu ein Stift, mit dem sich das Kreuz wieder wegradieren lässt — die Karte ist für jede Woche gedacht, nicht für einen Abend.

Ich habe gesagt: Nehmt euch zwei Minuten. Nach zwei Minuten hat niemand aufgeschaut.

Was mich seitdem beschäftigt: Keine dieser Frauen hat an dem Abend etwas Neues erfahren. Sie wussten alles, was sie gesagt haben, vorher schon. Sie hatten es nur noch nie laut gesagt, in einem Raum, in dem niemand sitzt, der montags neben ihnen sitzt.

Zum Buch gehört ein Leseraum: die drei Songs, eine geführte Reise und Material zum Weiterdenken. Kostenlos, und du musst das Buch dafür nicht gelesen haben.

 

Banner zum Leseraum von „Ungezähmt führen“. Eva Zweidorf steht in einem hellen, minimalistischen Raum und hält ihr Buch „Ungezähmt führen. Female Leadership in bewegten Zeiten“ in den Armen. Links stehen die Worte „Leseraum“ und „Ungezähmt führen“. Die Seite bietet Leserinnen einen digitalen Begleitraum mit weiterführenden Impulsen zum Buch.

Über Eva Zweidorf

Eva Zweidorf begleitet Führungsfrauen in der Tiefe in Einzelbegleitung, in Formaten und in ihrem Buch »Ungezähmt führen — Female Leadership in bewegten Zeiten« (Business Village Verlag).

Anfragen: ezw@kulturreform.com

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