MEINE REAKTION AUF DISRUPTIVE SPANNUNG

Es ist Ende Februar und ich darf an einem für mich schönsten Ort der Welt sitzen, in Südafrika. Ich genieße die Tage des Abstands, der Ruhe und der wundervollen neuen Eindrücke. Was für eine Landschaft, was für Farben und was für eine Gelassenheit. Ich atme tief durch. Erst am Ende der Reise um den 6. März denke ich an die Wochen, die vor mir stehen. Ab 11.03. geht es wieder los, gleich drei Tage Berlin. Die darauffolgende Woche zwei Tage Köln und zwei Tage Duisburg.
Danach die Woche wieder Berlin und München. Volle Wochen mit spannenden Projekten und lieben Kunden! Ich lächle in mich hinein und mich umgibt ein zufriedenes Gefühl der Sicherheit, dass unser Business und unser Anliegen sich mittlerweile so positiv entwickelt hat.

ALLES AUF NULL

Ab 10.03.2020 starte ich wieder und am 11.03.2020 geht es mit Workshops, Meetings und Projektgesprächen in Berlin los. Drei Wochen, also Mitte Februar sind seit meiner letzten Kundenreise innerhalb von Deutschland vergangen. Was ist anders?

Wir geben uns in den Workshops und Meetings nicht mehr die Hand. Gar nicht so einfach. Reflexartig strecke ich am ersten Tag immer erst einmal die Hand entgegen und ziehe sie mit einer Entschuldigung und dem Hinweis „alte Gewohnheit“ zurück. Langsam fange ich an zu spüren, da liegt was in der Luft, da kommt etwas auf Dich zu.

Am Freitag den 13.03., und es lag sicherlich nicht an dem Datum, werden mit einmal alle Termine für die nächsten 14 Tage abgesagt. Am Montag den 16.03. geht es weiter, für die nächsten eineinhalb Monate sind alle Präsenztermine gecancelt. Mein Business ist innerhalb von zwei Tagen auf null. Der Kalender ist leer. Mit jedem weiteren Anruf realisiere ich, was jetzt wirklich
passiert.

ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT ÜBERFÄLLT MICH

Meine ersten Gedanken: Wie kann ich meine Existenz sichern, wie kann ich die nächsten Monate überleben, wie finanziere ich meine Geschäftspartner, den Ausfall, welche Fixkosten sind zu decken. Ad hoc schlagen die innerlich einstürzenden Gedanken auf meinen Magen und schwächen mich jetzt auch noch körperlich. Panik, Orientierungslosigkeit und große Unsicherheit
überfallen mich.

Eins ist mir klar, mit meinen Kunden kann ich jetzt nicht sprechen, die haben jetzt ganz andere Probleme. Die müssen selbst die Themen lösen: Wie bringe ich meine Mitarbeiter in der Größenordnung morgen in ein arbeitsfähiges Homeoffice? Wie sichere ich die weitere Produktion? Wie garantiere ich für die Gesundheit? Wie organisieren wir uns morgen? … und vieles mehr.
Jeder hat jetzt die Aufgabe nach einer eigenen neuen Orientierung, Richtung oder nach einem Weg zu suchen.

HINFALLEN, AUFSTEHEN, KRONE RICHTEN

Zwei Tage tauche ich ab, ringe mit mir selbst und meinem Körper und suche nach Orientierung.
Dabei rücken meine Erinnerungen meines Urlaubes in einer Schnelligkeit weg, dass ich mich fast erschrecke. Tausend neue und teilweise auch widersprüchliche Gedanken gehen mir durch den Kopf. Nach zwei Tagen inneres Kreisen um mich selbst, keimen in mir erste Ideen auf.

Ich erinnere mich an diese passende Illustration: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen!
Ich beginne mit meinem Umfeld über Chancen zu sprechen. Rechne mir meine Finanzierung einschließlich der Fixkosten durch und erhalte einen genaueren Überblick, was unter welchen Rahmenbedingungen in den nächsten drei Monaten möglich ist.

EIN MINI-STUDIO ENTSTEHT

Am 18.03. registriere ich auch für mich, dass ich jetzt fast 1,5 h länger schlafen kann, da ich nicht um 5:00 Uhr in der Bahn sitzen muss. Ich räume meinen Koffer, der das ganze Jahr im Flur steht, vollständig aus und verstaue ihn in unserer Abstellkammer. Ich koche mir morgens in Ruhe meine Tasse Kaffee, meditiere und mache Sport. Meine Kraft kommt mit jedem Tag zurück und ein
inneres Lächeln von Möglichkeiten macht sich breit.

Am 22.03. gibt es einen Spaziergang an meine geliebte Elbe ohne innere Unruhe, dass ich ja morgen wieder los muss. Am 23.03. bin ich vollständig in meiner Kraft zurück, hole mir wichtige Utensilien aus unserem nun auch fast leeren Büro in der Schanze und baue mein Homeoffice-Arbeitsplatz um. Daraus wird jetzt auch gleichzeitig ein kleines Mini-Studio für die Webinare und
Online-Session.

Bei jedem weiteren Schritt bekomme ich nun immer genauere Vorstellungen davon, was ich tun und anbieten will und aus meiner Hand fließt mit Leichtigkeit jede Menge Content zu den unterschiedlichsten Themen. Meine lieben Kunden haben sich mittlerweile auch orientiert und wir können jetzt darüber sprechen, was sinnvoll ist und wie wir gemeinsam digital an der ein oder anderen Stelle weiter machen können und wollen.

DAS GEFÜHL DER DANKBARKEIT UND DEMUT STEIGT IN MIR AUF

Mein kreatives Umfeld ist mittlerweile auch mit an Board und gemeinsam haben wir Lust etwas Neues zu kreieren. Wieder atme ich tief ein und fühle Dankbarkeit. Dankbarkeit für mein Umfeld, Dankbarkeit für meine Kraft und Dankbarkeit für Chancen, die ich sehe und die sich auftun.

In Rückschau werde ich sogar etwas demütig und denke: Mein Gott, zwei Tage hast Du dich in Deinem eigenen Selbstmitleid und Ego gefrönt ohne auch nur eine Minute darüber nachzudenken, wie es anderen geht. Das es Menschen gibt, die nicht so schnell aus solchen Wandeleinschlägen herausfinden, dass es Menschen gibt, die viel größere Existenzsorgen haben, dass es Menschen
gibt, die nicht solch ein unterstützendes Umfeld haben und das es Menschen gibt, die viel härtere Herausforderungen heute zu bewältigen haben. Es irritiert mich ein wenig und spiegelt mir aber auch, wo ich im Inneren unter solchen Drucksituationen stehe.

WIR DÜRFEN GERADE RICHTIG VIEL LERNEN

Heute sage ich: „Jammern? Auf keinen Fall.“ Dies wäre unangemessen, vor allem gegenüber den Menschen, die große Anstrengungen zu leisten und jeden Tag die Gesundheitsversorgung für viele bedürftige Patienten sicherzustellen haben, gegenüber Menschen und Familien, die monatlich aufgrund ihrer Einkommenssituation nur von Monat zu Monat leben können, gegenüber Menschen die in Pflegeheimen leben, nicht raus und auch keinen Kontakt haben dürfen und gegenüber Menschen die jeden Tag ein Stück ihrer Gesundheit einbüßen müssen. Es besteht überhaupt keinen Grund zu jammern, ganz im Gegenteil.

Jetzt geht es darum Selbstverantwortung und Selbstführung in einer neuen unbekannten Situation zu ergreifen. Zu lernen wie man mit “Zukunft auf Sicht” umgeht, da niemand irgendetwas vorhersagen kann.
Die Welt, unser Alltag, unsere Routinen und Resonanzen sind aus den Fugen geraten und wir alle dürfen gerade so viel LERNEN. Vor allem über uns, über unsere inneren Resonanzen, über unser Denken, Verhalten und über unser Handeln. Ich nehme dies dankbar an und freue mich, ohne das ich sie auch nur wirklich gut kennen würde, trotzdem auf die wundervolle Zukunft.

Mehr aus meinem Blog

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren.

“Arbeiten, um zu leben” – Ist Arbeit das Gegenteil von Leben?

“Arbeiten, um zu leben” – Ist Arbeit das Gegenteil von Leben?

Arbeitskultur - „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten“ – was Konfuzius einst perfekt auf den Punkt brachte, ist heutzutage, obwohl wir das 21. Jahrhundert haben, nur schwer umzusetzen. Immerhin führen uns sogar...

Wie wird die Zukunft sein?

Wie wird die Zukunft sein?

Zukunft - In den letzten Wochen mache ich mir besonders viel Gedanken, ob die Zukunft vielleicht schon feststeht. Und ob ich eventuell nur noch mich hingeben kann, keinen Einfluss mehr habe. Was dann die Zukunft für mich noch ist? Es ist die aktuelle Lage, die mich...

Zukunftszuversicht

Zukunftszuversicht

Wie schaust du auf die Zukunft? Fragst du dich auch, ob wir in Tagen wie wir sie aktuell erleben, an Begriffen wie Zukunftszuversicht festhalten können? Ist es möglich, Zuversicht zu spüren, wenn sich die Welt um uns herum aus den Angeln hebt? Wenn wir erneut das...