ES BEGINNT MIT DER EIGENEN ROLLENKLÄRUNG

Juliane teilt während des Online Meetings ihr virtuelles Board. Zum Vorschein kommt ihr Status Quo der Rollenklärung ihrer aktuellen Führungstätigkeit. Ich freue mich, dass sie ihre Aufgabe aus dem letzten Coaching so intensiv aufgegriffen hat und alle ihre Tätigkeiten in sieben Schwerpunktrollen ihrer Führung clustern konnte. Das Ergebnis ist ein sehr gut strukturiertes und übersichtliches Bild, welches mir sofort ermöglicht, die kritischen Kernpunkte zu erkennen. 

Juliane ist Unit Leiterin Service Development eines 14-köpfigen Teams. Gerade im Service Development-Bereich verändern sich die Dinge permanent und so berichtet sie davon, dass sie oftmals kaum Luft holen kann. Ihre auf dem Board dargestellten Rollen unterstreichen dies.

IM EIGENEN STRUDEL GEFANGEN

Obwohl sie zu den leistungsstarken und engagierten Führungskräften im Unternehmen gehört, ist ihre aktuelle Situation fatal. Ihre Darstellung lässt erkennen, dass sie nur im Gegenwartsgeschäft festhängt, kaum Teamentwicklung aufgreifen kann und die strategische Geschäftsfeldentwicklung aktuell eigentlich gänzlich ausgeblendet ist. Dazu fühlt sie sich ausgepowert und leer, da das eigens erschaffene Hamsterrad, was nur noch die eingehenden Anforderungen erfüllt, keine Veränderung zulässt. Tatsächlich muss Juliane aussteigen und zwar JETZT. Jeder weitere Tag, den sie im Strudel verbringt, wird sie noch tiefer herunterreißen. Eigentlich weiß sie dies auch, aber es fällt ihr so unheimlich schwer ins Umsetzen zu kommen.

DIE INNEREN STIMMEN

So, wie sich Juliane gerade fühlt, geht es vielen. Sie kommen aus ihrem eigens erschaffenen Hamsterrad nicht raus. Da der eigene innere Zwiespalt zwischen, du musst performen, du musst leisten, du musst die Dinge abarbeiten gegenüber du musst innehalten, du musst andere Prioritäten setzen, du musst dich für die Zukunft ausrichten zu groß ist.  Zusätzlich fühlt sich auch dies im ganzen Gefüge nur nach Anstrengung an, zumal sie noch nicht einmal ihre Gedanken fokussieren kann, um auch nur annährend ein Bild für die Zukunftsauseinandersetzung zu kreieren.

In solch einer Situation schieben wir meist das wegweisende Bild der Zukunft weg, den Fahrplan, der uns angibt, wohin wir eigentlich laufen. Und die unterbewusst ablaufenden Prozesse wie, ich schaffe dies nicht, ich bin nicht gut genug, ich muss noch mehr leisten, dürfen ohne unsere bewusste Wahrnehmung in uns wüten und halten uns so beständig in unserem Strudel der Gegenwart, obwohl es uns nicht guttut.

MEIN EIGENER SHIFT

Jegliche Veränderung fängt bei uns an und hat damit zu tun, ob wir unsere inneren Stimmen wahrnehmen und uns mit ihnen auseinandersetzen wollen, ob wir einen persönlichen Willen der Veränderung hervorbringen können und auch damit, ob wir ein ausreichend attraktives, anziehendes Zukunftsbild entwickeln können. Die Veränderung der Rollen in Führung hat im ersten Schritt wenig damit zu tun, welche Rollen ich im Einzelnen nun wirklich ausüben möchte.
Viel eher werde ich dazu angehalten, mich mit mir selbst und der Frage zu beschäftigen, wer ich heute bin? Ein im Hamsterrad abarbeitender Ausführungsgehilfe, der die Richtung verloren hat?

Im Angesicht dieses Tatbestandes kann man sich gegebenenfalls schon mal selbst erschrecken. Und vielleicht ist dieser Schreck der Auslöser für einen wirklichen Wandel und eine Aufforderung zu einer eigenen inneren Auseinandersetzung.

EINE ANDERE VERANTWORTUNG

Warum ich nicht losgehe, ist eine Frage, die ich definitiv mit mir selbst und als erstes zu klären habe. Weiterhin sollte ich mir aber auch anschauen, wie dies tatsächlich in Bezug auf meine Verantwortung als Führungskraft aussieht. Mal davon abgesehen, dass wir alle eine Verantwortung für uns selbst tragen, stehen wir gerade als Führungskraft in einem verantwortungsvollen Verhältnis u.a. zum eigenen Team und zum Unternehmen.

Wie ist es um meine Verantwortung bestellt, wenn ich die Teamentwicklung gar nicht vorantreiben kann und dadurch die kollektive Intelligenz meiner Abteilung nicht wachsen lasse? Was ist mit meiner Verantwortung, wenn ich meine spezifische Geschäftsfeldentwicklung ignoriere und bei meinen Routinen Tätigkeiten bleibe? Meine von mir selbst wahrgenommene Verantwortung ist an diesem Punkt eigentlich nur noch Schein, da ich sie einer neuen Arbeitswelt und dem Wandel eigentlich noch gar nicht angepasst habe.

ANSTRENGUNG ÜBERWINDEN UND MUT HABEN

Man kann grundsätzlich niemanden Unverantwortlichkeit unterstellen, dafür bemühen wir uns doch alle viel zu sehr. Vielleicht verlieren wir aber aufgrund der rasenden Dynamik die Anpassung aus den Augen und sind an der ein oder anderen Stelle nur bedingt bereit uns mit unseren eigenen Schmerzpunkten des Wandels auseinanderzusetzen. Ganz ehrlich, wer möchte in einer gefühlt eh schon anstrengenden Zeit sich auch noch mit sich selber beschäftigen und seinen inneren Kritikern in die Augen sehen? Dies vermeide sogar ich an der ein oder anderen Stelle.

Und trotzdem sollten wir den Mut haben! Nicht nur für uns, sondern auch in Verantwortung für unser Umfeld, zu dem wir irgendwann mal JA gesagt haben, und versprochen haben loszugehen.

 

BETRACHTEN WIR UNSER WIRKEN GANZHEITLICHER

Gelingt uns eine gut gesetzte innere Entscheidung und Entwicklung, dann sind wir auch bereit anders mit der Notwendigkeit umzugehen, dass wir uns in einem neuen Rollen-Portfolio aufstellen sollten, welches der heutigen Notwendigkeit in einer neuen Arbeitswelt und der dynamischen Märkte entspricht.

Wir müssen akzeptieren, dass wir unsere Arbeitszeit heute breiter sowie in einer größeren Unterschiedlichkeit verteilen müssen. Standen bisher die sich oft ähnelnden Rollen Organisator, Prozesssteuerer, Kommunikator, Teamleader etc. im Vordergrund, werde ich heute Rollen gestalten müssen, die von einer größeren Unterschiedlichkeit, wie z.B. Team Coach und strategischer Geschäftsfeldentwickler, sowie von einem unterschiedlichen „Beherrschungsgrad“, geprägt sind. Denn beim Team Coach weiß ich doch heute vielleicht nur vage, wie ich produktiv werden kann oder bei der strategischen Geschäftsfeldentwicklung bin ich aktuell noch völlig ohne Vorerfahrung. 

ANDERE PERSÖNLICHE WEITEN GENERIEREN

Es geht heute nicht mehr darum, und schon gar nicht auf Führungsebene, alles zu „beherrschen“. Es geht darum, mutig zu sein, etwas auszuprobieren, trotz spürbarer Defizite an sich zu glauben und andere zu einer gemeinsamen Zukunft einzuladen. Vielleicht bin ich tatsächlich nicht der allerbeste Team Coach, aber ich habe wundervolle Menschen im Team, die mich bei diesem Vorhaben unterstützen können. Mit wem kann ich eine Sparringspartnerschaft in diesem Bereich aufgreifen? Und eine strategische Geschäftsfeldentwicklung macht alleine eh keinen Spaß und auch keinen Sinn. Durch ein inneres Loslassen ermöglichen wir uns Weite in der eigenen Sichtweite auch in Bezug auf Vernetzung, Synergien und Partnerschaften.

Die Zukunft hält viel Wachstum für uns bereit, im Inneren, in meinem Umfeld und sogar übergeordnet in Systemen. Wir werden ein größerer wirksamer Teil davon, wenn wir mutig sind und loslassen.

#ichkultur

 

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